Herkunft: Von der Hautkrebsforschung zum Internet-Bräunungsmittel
Melanotan II wurde in den 1980er- und 1990er-Jahren an der University of Arizona entwickelt, im Zusammenhang mit der Frage, ob eine gezielte Pigmentierung der Haut vor UV-Schäden schützen könnte. Aus dieser Forschung ging auch das strukturell verwandte, aber andere Molekül Afamelanotid hervor.
Während Afamelanotid den regulären Zulassungsweg durchlief und heute als Scenesse in der EU für eine seltene Erkrankung zugelassen ist, gelangte Melanotan II nie in ein reguläres Entwicklungsprogramm bis zur Zulassung. Stattdessen wird es seit den 2000er-Jahren über das Internet als vermeintliches „Bräunungsmittel ohne Sonne“ vertrieben.
Die publizierte Datenlage
Die wissenschaftliche Literatur zu Melanotan II beim Menschen beschränkt sich im Wesentlichen auf kleine Phase-I-Studien aus den 1990er-Jahren. Dorr und Kollegen untersuchten 1996 in einer kleinen Probandengruppe Verträglichkeit und pigmentierende Wirkung [4](https://doi.org/10.1016/0024-3205(96)00160-9). Wessells und Kollegen untersuchten Ende der 1990er-Jahre die Wirkung auf die erektile Funktion bei einer ebenfalls kleinen Zahl von Männern.
Größere, kontrollierte Studien zur Sicherheit bei längerer oder wiederholter Anwendung existieren nicht. Es fehlen insbesondere systematische Langzeitdaten zu Hautveränderungen und zur Melanomentstehung.
Sicherheitssignale aus Fallberichten und Behördendaten
Neben häufigen, meist harmlosen Nebenwirkungen wie Übelkeit und Gesichtsröte (Flush) existieren einzelne publizierte Fallberichte über die Entstehung oder Veränderung von Melanomen bei Melanotan-II-Anwendern, über Priapismus sowie über Rhabdomyolyse und Nierenfunktionsstörungen. Fallberichte können keine Kausalität beweisen, sie sind aber ein anerkanntes Mittel, um seltene, aber ernste Risikosignale sichtbar zu machen.
Laboranalysen australischer Behörden an beschlagnahmten Melanotan-II-Produkten zeigten zudem stark schwankende tatsächliche Wirkstoffmengen zwischen Gebinden mit identischer Kennzeichnung – ein Hinweis darauf, dass Käuferinnen und Käufer unregulierter Produkte den tatsächlichen Gehalt nicht kennen können.
Abgrenzung zu Afamelanotid (Scenesse)
Afamelanotid ist ein eigenständiges, in der EU zugelassenes Arzneimittel zur Behandlung der erythropoetischen Protoporphyrie, einer seltenen Erkrankung mit schwerer Lichtempfindlichkeit. Es wird ausschließlich als Implantat unter ärztlicher Aufsicht angewendet. Diese Zulassung betrifft ausschließlich das konkrete Fertigarzneimittel Scenesse, nicht die Substanzklasse insgesamt und schon gar nicht Melanotan II.
Rechtlicher Status
Melanotan II ist weder von der EMA noch von der FDA als Arzneimittel zugelassen. Mehrere Behörden haben ausdrücklich vor Anwendung und Vertrieb gewarnt und Maßnahmen gegen Anbieter ergriffen. Melanocortin-Rezeptor-Agonisten fallen zudem unter die Klasse S2 der WADA-Verbotsliste. Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung zur Zulässigkeit von Besitz oder Erwerb in einem bestimmten Land.
Was das für ein Forschungsprodukt bedeutet
Die genannten Studien und Fallberichte beziehen sich auf das jeweils untersuchte Prüfpräparat bzw. auf im Feld sichergestellte Produkte, nicht auf das hier angebotene Vial. Ob Identität und Gehalt eines konkreten Forschungsprodukts der Deklaration entsprechen, lässt sich nur durch ein Analysezertifikat der jeweiligen Charge beurteilen.
Forschungsstand
Zell- und Laborstudien
Keine uns bekannten Studien.
Tierstudien
Keine uns bekannten Studien.
Studien am Menschen
- Kleine Phase-I-Studie zur Pigmentierung: Dorr et al., Life Sciences 1996. Untersucht wurden Verträglichkeit und pigmentierende Wirkung wiederholter subkutaner Gaben bei einer kleinen Zahl gesunder Probanden über wenige Wochen.
- Kleine Studien zur erektilen Funktion: Wessells et al., Journal of Urology 1998 und 2000. Untersucht wurde die Wirkung von Melanotan II auf die Erektionsfähigkeit bei einer kleinen Zahl von Männern mit und ohne erektile Dysfunktion; berichtet wurden unter anderem Übelkeit und Flush als häufige Nebenwirkungen.
- Diese frühen Studien betrafen ausschließlich das Prüfpräparat unter kontrollierten Studienbedingungen, nicht die heute im Internet gehandelten, unregulierten Produkte.
Häufige Fragen
Ist Melanotan II dasselbe wie Afamelanotid (Scenesse)?
Nein. Beide sind α-MSH-Analoga, aber chemisch unterschiedliche Moleküle. Afamelanotid ist in der EU für eine seltene Stoffwechselerkrankung zugelassen; Melanotan II ist in keinem Land zugelassen. Die Zulassung von Afamelanotid sagt nichts über Melanotan II aus.
Warum warnen Behörden vor Melanotan II?
Weil Melanotan-haltige Produkte aus unregulierten Quellen stammen, ihre tatsächliche Zusammensetzung unbekannt ist und in Fallberichten ernsthafte Nebenwirkungen wie Muttermalveränderungen mit Melanomverdacht, Priapismus und Muskelschäden beschrieben wurden. BfArM, MHRA und TGA haben deshalb öffentlich gewarnt.
Belegen die Studien aus den 1990er-Jahren die Sicherheit dieses Produkts?
Nein. Die publizierten Studien betrafen kleine Probandengruppen und ein unter Studienbedingungen hergestelltes Prüfpräparat. Sie sagen nichts über Identität, Reinheit oder Gehalt des hier angebotenen Forschungsprodukts aus.
Steht Melanotan II auf der WADA-Dopingliste?
Melanocortin-Rezeptor-Agonisten wie Melanotan II fallen unter die Substanzklasse S2 (Peptidhormone, Wachstumsfaktoren und verwandte Substanzen) der WADA-Verbotsliste, die zu allen Zeiten verboten ist.
Wie viel sollte ich verwenden?
Es gibt keine Anwendungsempfehlung. Das Produkt ist ausschließlich für Forschungs- und Laborzwecke bestimmt.
Quellen
- 1.BfArM warnt vor Anwendung melanotanhaltiger Produkte für kosmetische Zwecke, Pressemitteilung 14/10, 28.10.2010
- 2.MHRA, FOI-Auskunft zu Nebenwirkungsmeldungen (Yellow Card) für Melanotan II 2012–2022
- 3.TGA (Australien): Don't risk using tanning products containing melanotan
- 4.Dorr RT et al., Life Sciences 1996: Effects of a superpotent melanotropic peptide in a pilot phase-I clinical study.(kleine Phase-I-Studie)
- 5.PubMed-Suche: Wessells H et al., Journal of Urology 1998/2000, Melanotan II erectile function
- 6.The Skin Cancer Foundation: Warnung zu Melanotan II inkl. Fallberichten zu Melanom
- 7.WADA Prohibited List 2026, Klasse S2 (Peptidhormone, Wachstumsfaktoren und verwandte Substanzen)
- 8.EMA: Scenesse (Afamelanotid) – Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht
Quellen geprüft am 28.09.2026
Quellen auf Existenz und Kernaussagen geprüft; keine medizinische Fachprüfung. Eine Quellenprüfung bedeutet: Die genannten Quellen wurden auf Existenz und Kernaussagen geprüft. Sie ist keine medizinische oder pharmazeutische Fachprüfung.
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